Für einen Börsegang gibt es formale Kriterien, die entweder rechtlich geregelt sind oder sich aus den Usancen des Marktes ergeben:

  • Rechtsform einer AG
  • Für die Börsenotierung im Amtlichen Handel muss das Unternehmen seit mindestens drei Jahren bestehen. Beim Gang in den Geregelten Freiverkehr genügt ein Unternehmensalter von einem Jahr
  • Testierte (Konzern-) Jahresabschlüsse der vergangenen drei Jahre, soweit das Unternehmen bereits so lange besteht. Der Emittent hat seine konsolidierten Abschlüsse nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften (grundsätzlich IFRS) aufzustellen.
  • Für den Erfolg einer Börseeinführung ist es wichtig, dass sowohl die Höhe des Steubesitz („Free Float“ nicht unter 25 %) als auch das absolute Emissionsvolumen eine gewisse Mindestgröße (20-30 Millionen Euro) erreicht, um einen liquiden Handel und eine marktgerechte Kursfeststellung zu ermöglichen.
  • Die erforderlichen Mindestgrößen für Umsatz und Gewinn des Unternehmens ergeben sich in Abhängigkeit von den branchenüblichen Umsatz- und Gewinnmultiplikatoren. 

Weitaus schwieriger ist es zu definieren, wann ein Unternehmen die – rechtlich nicht verankerte – „innere Börsereife“ erlangt hat. Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei die Zuverlässigkeit des Planungssystems. Dazu zählt insbesondere eine Dokumentation der Planungssystematik, ein zumindest dreijähriger Planungshorizont, Planungen für das Gesamtunternehmen und dessen Tochtergesellschaften sowie eine Differenzierung der Planung nach Kunden- und/oder Produktgruppen. Planungsabweichen müssen analysiert und die Unternehmensplanung in das Berichtswesen des Unternehmens eingebettet sein. Als weiteres Zeichen der inneren Börsereife gelten transparente Organisations- und Beteiligungsstrukturen.

Auch die Markt- und Branchensituation, in der sich ein Unternehmen befindet, ist für die Einschätzung seiner Börsereife außerordentlich wichtig. Die Branche muss dabei eine positive Zukunftsentwicklung zeigen. Ein weiterer wichtiger Beurteilungsmaßstab ist die Wettbewerbsintensität: Indikatoren sind Markteintrittsbarrieren, das Volumen bestehender Produktkapazitäten im Vergleich zur Gesamtnachfrage oder die Verhandlungsmacht von Lieferanten und Kunden.

Eng mit der Markt- und Branchensituation hängen die Entwicklungspotenziale des Unternehmens zusammen. Je besser die folgenden Potenziale entwickelt sind, umso höher fällt die Unternehmensbewertung aus:

  • Die Rentabilität des Unternehmens ist größer als der Durchschnitt der Branche
  • Die Planung zeigt eine stetige Steigerung der Umsatz- und Gewinnwachstumsraten
  • Das Unternehmen zeigt hohe künftige Free Cash–flows
  • Das Unternehmen verfügt über eine klare Unternehmensstrategie und ein hohes Innovationspotenzial

Aus all diesen Faktoren heraus muss eine überzeugende „Investment-Story“ abgeleitet werden, die Investoren die Beteiligung am Unternehmen schmackhaft macht.

Eine wesentliche Voraussetzung hat weder mit dem Unternehmen noch mit den Märkten zu tun: Die Bereitschaft der bisherigen Eigentümer, das Unternehmen neuen Eigentümern gegenüber zu öffnen.

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