Sie haben eine Idee, verfolgen ein Projekt, entwickeln ein Produkt – und suchen einen Geldgeber? Oder vielmehr, Sie suchen viele Geldgeber um Abhängigkeiten von einem einzelnen Investor zu vermeiden oder durch die Summe vieler kleiner Geldbeträge die Gesamtfinanzierung sicher zu stellen?

Noch vor relativ kurzer Zeit mussten erste Unternehmensschritte im Regelfall durch die 3F finanziert werden: Founder (Gründer), Friends (Freunde) und Family (Familie). Die moderne Informationstechnologie hat es möglich gemacht, Finanzierungen auf eine breitest mögliche Basis zu stellen und damit eine Brücke zwischen Unternehmen und Privatinvestoren herzustellen.

Crowdfunding – das Wort ist zusammengesetzt aus den englischen Begriffen „crowd“ (Menschenmenge) und „funding“ (Finanzierung) – bedeutet, dass eine größere Anzahl von Personen sich mit verhältnismäßig kleinen Beträgen an einem Projekt beteiligt. Dank des Internets, eines global zunehmenden Wohlstands und der wachsenden Bereitschaft einer zunehmenden Zahl von Menschen direkt in Projekte zu investieren, gewinnt Crowdfunding in den letzten Jahren rasch an Bedeutung.

Crowdfunding kann verschiedene Erscheinungsformen aufweisen:

  • Weit verbreitet ist das Donation-Based Crowdfunding, bei dem über eine Spendenplattform für bestimmte Projekte Geld gesammelt wird. Grundsätzlich könnte diese Form auch eine kommerzielle Bedeutung haben, wenn beispielsweise ein Anbieter von Wasseraufbereitungsanlagen auf diese Art und Weise Geld für die Errichtung entsprechender Anlagen in Entwicklungsländern sammelt.
  • Speziell im innovativen wie auch kreativen Bereich bekannt ist das Reward-Based Crowdfunding: Ein Unternehmer oder Veranstalter hat mit dieser Art des Crowdfunding die Möglichkeit, sein neues Produkt bzw. seine Dienstleistung schon im Vorfeld mit den Unterstützern am Markt zu testen. Den Unterstützern wird dieses Vertrauen durch vergünstigte Konditionen des Produkts bzw. durch spezielle Dienstleistungen wie Premierenkarten, Filmrequisiten abgegolten. Der Unternehmer verringert sein Risiko bei der Massenproduktion von Prototypen bzw. bei Veranstaltungen, da er mit der Kampagne die nötige finanzielle Unterstützung im Vorfeld erhält.
  • Kommerziell eingesetzt wird das Lending-Based Crowdfunding, bei dem die Finanzierung als Darlehen (somit Fremdkapital) strukturiert wird. Die Höhe der Zinsen basiert auf der Ausfallswahrscheinlichkeit und ist mitunter beachtlich hoch, etwa einer Mezzaninfinanzierung entsprechend. Mitunter wird für das Lending-Based Crowdfunding auch der Begriff des Crowdlending verwendet.
  • Das Equity-Based Crowdfunding, oft als Crowdinvesting bezeichnet, ist eine Finanzierung mit Eigenkapitalcharakter: Aufgrund der bislang bestehenden gesetzlichen Regelungen war Crowdinvesting praktisch ausschließlich für die Start Up-Finanzierung interessant, veränderte legistische Rahmenbedingungen erweitern aber den Einsatz des Crowdinvesting in Richtung KMUs.
  • Wachsender Beliebtheit erfreut sich eine Form, die Elemente der Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung kombiniert: Ein nachrangiges Darlehen wird laufend verzinst (sofern dadurch nicht die Solvenz des Unternehmens gefährdet wird), zudem erfolgt eine Beteiligung am Unternehmensgewinn und/oder am Unternehmenswert als erfolgsabhängige Komponente des Investments.